Dienstag, 20.01.2026 - Ludwig Rossbach, Portrait, NE 1978
Das Portrait
Ludwig Rossbach
Bühnenbildner am Heilbronn Theater
Als Ludwig Rossbach 1961 ans Theater in Heilbronn kam, war das Provisorium noch dürftiger eingerichtet als es heute ist. Im Jugendstil-Stadttheater auf dem Berliner Platz - von den Bomben im zweiten Weltkrieg stark zerstört - waren die Theater-Werkstätten hinter der ehemaligen Bühne des Fischer-Theaters untergebracht.
„Wir hatten in so manchem Winter mit Handschuhen in diesen Werkstätten im alten Stadttheater arbeiten müssen. Die Farben waren eingefroren. Und mit einem Ziehwägelchen wurden dann Farben und Kulissen zur Bühne im Gewerkschaftshaus in der Gartenstraße transportiert.“
Bevor das alte Jugendstil-Stadttheater am 18. Juli 1970 gesprengt wurde, waren die Theater-Werkstätten in einer Baracke des städtischen Obstgutes umgezogen – in der Nähe des Judenfriedhofes.
Seit nun mehr 17 Jahren hat Ludwig Rossbach immer wieder gehofft, dass es endlich ein neuer Theaterbau gibt, in dem neue technische Verhältnisse großzügige Ideen beim Gestalten der Bühne möglich sind. Momentan verhindert die Kargheit der Theater-Werkstätten eine richtige Theaterarbeit.
„Im Gewerkschaftshaus konnte ich niemals einen wirklichen Raum gestalten. Die Bühne ist immer ein kleines Zimmer, allein die Innenbühne ist nur sechs auf vier Meter groß. Man konnte nichts mehr tun, als die Bühnenwände zu gestalten. Wenn noch Möbel hinzukamen, war die Bühne voll - und Raum fehlte. Und nur mit einem Scheinwerfer wurde dieser Raum dann voll ausgeleuchtet.“
Was Rossbach – trotz der Provisorium-Misere – immer wieder gefreut hat: „Die wirklich gute Zusammenarbeit an diesem Theater. Es gab keine Intrigen. Das liegt vor allem an der sehr menschlichen Leitung des Theater-Provisoriums durch Walter Bison. Aber auch an der Technik-Mitarbeiter, die sich - fast wie in einem Familienbetrieb - für jede Arbeit, jede Inszenierung voll einsetzt haben.“
Einige Verbesserungen gab es in den letzten vergangenen Jahren allerdings. „Erst in der letzten Spielzeit erhielt die Bühne einfache Züge am Plafond der Decke. Die Techniker brauchen nun nicht mehr – wie früher, wenn eine Lampe aufzuhängen ist – Dübel in die Decke bohren. Und der Bühnenbildner kann den Raum nach oben hin jetzt ebenfalls gestalten.“
Von Kindesbeinen an hatte sich Ludwig Rossbach dem Zeichnen verschrieben. Drei Jahre nach dem Zusammenbruch der österreichischen Doppelmonarchie wurde Rossbach in Neusattl am 5. Juni 1921 geboren – einen kleinen Ort in der Nähe von Karlsbad.
Der Vater war Berginspektor auf dem Concordia-Schacht in diesem westböhmischen Braunkohlenrevier, seine Mutter war Hausfrau – Geschwister besitzt Ludwig Rossbach nicht. In Neusattl besuchte er die Volksschule, ab 1931 in Ellbogen an der Eger die Oberrealschule. „Ellbogen ist ein wunderschönes kleines Burgstädtchen, das man auch das sudetendeutsche Nürnberg nannte.
Seine Kindheit bezeichnet er bis heute als sehr glücklich. „Schon in frühesten Jahren fing ich an zu zeichnen, mit Papier und Bleistift. Menschen waren immer in meinen Bildern bevorzugt. Ich dachte mir Romane aus, die ich dann mit meinen Zeichnungen darstellte. So entstanden viele kleine Bände von gezeichneten Romanen - Comic-Szenen würde man heute sagen.“
Abenteuer, Wildwest, Soldatengeschichten, Eisenbahnen und Flugzeuge – das waren Hauptmotive für den jungen Rossbach. Ans Theater hatte er in dieser Zeit nie gedacht.
„Theater existierte in meiner Vorstellung nur durch die herumziehenden Schauspielertruppen, die auf den Dörfern kamen, um ihre derben Geschichten auf ihren Wanderbühnen anboten. Ich habe dadurch sehr viele gute Schmiere gesehen.“
Im Sudetenland waren die Jahre zwischen den zwei Weltkriegen politisch sehr bewegt. Der Nationalitäten-Gegensatz zwischen Tschechen und Deutschen verschärfte sich zusehends. „Man war bei uns deutschnational. Die Arbeiterschaft war in den zwanziger Jahren allerdings sozialdemokratisch. Als die Gegensätze jedoch schärfer wurden, wandelte sich diese Einstellung. Dieser politisch-nationale Grundzug ging bis in die Schulen hinein. Ich erinnere mich, dass wir vor 1939 noch einen Jesuitenpater hatten, der uns einiges von der Demokratie beibringen wollte. Aber da war es schon zu spät.“
Sein Abitur machte Ludwig Rossbach im Jahre 1939 und schrieb sich danach zum Jurastudium an die der Universität Prag ein. Aber zum Studieren kam er nicht. In Belgien musste er beim „Arbeitsdienst“ Flugplätze bauen. Später war er dann bis 1941 im ’Arsenal‘ in Wien als Rekrut eingezogen. „Hier hatte ich mich lange gehalten. Grund dafür war mein Zeichnen. Ich hatte Schilder zu malen und die Offiziere zu portraitieren.“
1941 wurde Rossbach als Funker beim Artillerie-Beobachter an der russischen Front eingesetzt. Viele Kesselschlachten erlebte er als Wehrmacht-Soldat mit. „Und das Zeichnen war immer mein Glück. Ich musste oft mit einem Scherenfernrohr ausgerüstet russische Landschaften zeichnen.“
1944 wurde Rossbach nach Frankreich an die Normandie verlegt. Hier begann – genau an seinem Geburtstag – die Invasion der Alliierten. Nach einigen Verwundungen kam er kurz vor dem Ende des Krieges noch zu einem Offizierslehrgang. Ostern 1945 wurde er von Kanadiern in Kriegsgefangenschaft genommen. „In einem Riesenlager in Belgien war ich festgesetzt. Ein Jahr lang habe ich dort als Hauer in einem Steinkohlebergwerk gearbeitet.“
Danach folgte Steinbrucharbeit. Später war er Verwalter einer Lagerbibliothek und Leiter einer Gefangenen-Theatergruppe. „Ich war alles in einer Person: Bühnenbildner, Schauspieler und Theaterleiter.“ Entlassen wurde er nach Wien.
Von dort kam er nach Hessen, wo sein Vater als Flüchtling nach dem Krieg wohnte. An der Landesbühne in Siegburg begann die Theatertätigkeit als Bühnenbildner. In Köln in der gleichen Position. Danach Kunstakademie in Karlsruhe, später in München. 1956 folgte das erste Engagement in Hof, später kam das TAT in Frankfurt, das Stadttheater in Ingolstadt und ab 1961 Heilbronn.
Für fast 200 Inszenierungen hat Ludwig Rossbach seitdem in Heilbronn Bühnenbilder geschaffen. Gern erinnert er sich dabei an die „Mutter Courage“ und an das Studio-Stück „Kindersegen“, aber auch an viele Lustspiele und Musicals.
Beruf ist für ihn Hobby und umgekehrt. In seiner Werkstatt lebt er bis spät in die Nacht hinein, mit vielen Büchern und seiner Sammlung wertvoller Eisenbahnmodelle. Und sehr gern sitzt Ludwig Rossbach nach den Proben oder Vorstellungen mit Kollegen bei einem Viertele Werin zusammen, um über Welt- und Theater-Probleme zu reden. JDU
Erschienen 1978 im Neckar Express, Heilbronn.
Autor: Jürgen Dieter Ueckert (JDU), Redakteur beim Neckar Express.
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