Donnerstag, 01.10.2026 - Hape Kerkeling und sein Großvater im KZ
Hape Kerkeling
und sein Großvater im KZ
"Die Würde des Menschen ist unantastbar", wie gerne zitiert Hape Kerkeling Artikel 1 des Grundgesetzes.
Bei der Gedenkfeier zur Befreiung des KZ Buchenwald vor fünf Monaten oder im Landtag von Thüringen - bringt Kerkeling seinen Großvater ins Spiel, der im KZ Buchenwald einsaß.
Nun denken viele, dass der Großvater dort saß, weil er Jude war - oder Freiheitskämpfer gegen das NS-Regime.
Was kaum jemand weiß, dass Hermann Kerkeling neben stalinistische Kommunist und Nazi-Verfolgter sowie KZ-Häftling auch ein Einbrecher und Dieb war, der auch vor Waffeneinsatz nicht zurückschreckte.
Er wurde in Zeitungsartikeln als „berüchtigter Einbrecher“ bezeichnet.
Im Oktober 1933 wurde Hermann Kerkeling wegen Bandendiebstahls zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.
Dazu kam noch ein Jahr wegen „Vorbereitung des Hochverrats“ dazu, weil er an der Herstellung und Verbreitung kommunistischer Flugblätter beteiligt war. Ein Jahr für Vorbereitung des Hochverrats.
Die Strafe saß Großvater Kerkeling unter anderem in Münster, Papenburg und Bremen ab und landete 1942 im Konzentrationslager Buchenwald.
Nach der Befreiung des Lagers 1945 lebte er in Recklinghausen, wo er 1993 verstarb.
Der Enkel Hape Kerkeling ehrt seinen Großvater, spricht vom Häftling Nr. 6177, der vom NS-Regime als "Hochverräter" verfolgt worden sei, weil "er die Wahrheit geschrieben, gedruckt und verteilt“ habe.
Fest steht: Kerkelings Großvater war Mitglied der antidemokratischen und stalinistischen KPD und wegen Bandendiebstahls zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden.
Fest steht ebenfalls: Nach Ende dieser Strafhaft nahm ihn die Gestapo 1942 in „Schutzhaft“ und brachte ihn als politischen Häftling nach Buchenwald.
Nach 1945 beantragte Hermann Kerkeling wegen seiner Haft 1933-1945 mehrfach Entschädigung. Nach Angaben der Arolsen Archives erhielt er am Ende „so gut wie nichts“.
Die damaligen Entschädigungsakten und Bescheide können darüber Aufschluss geben.
Das Problem nach dem zweiten Krieg:
Wie Hape Kerkeling unter anderem in seinem Buch „Gebt mir etwas Zeit“ sowie in einer Rede an der Gedenkstätte Buchenwald im Jahr 2026 schilderte, wurde das „Unrechtsurteil der Nationalsozialisten“ zu Lebzeiten seines Großvaters von deutschen Gerichten nie offiziell aufgehoben.
Kerkelings Großvater galt insofern laut deutschen Behördenakten weiterhin als vorbestraft - und er erhielt keine Entschädigung.
„Hape Kerkeling rechtfertigt sein politisches Engagement biografisch, weil sein Großvater Hermann von den Nazis ins KZ gesteckt wurde. Hermann Kerkeling war allerdings nicht „nur“ Kommunist, und als solcher Anti-Demokrat, sondern, ausweislich seiner Strafakte, wohl auch ein gewöhnlicher Banden-Dieb.“ (Focus, 02.10.2026)
https://www.wmgen.de/presse/1911-hape-kerkelings-grossvater-war-bandendieb-was-noch-niemand-wusste JDU
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